Das "delische" Problem stammt aus der griechischen Antike. Es besteht darin, zu einem gegebenen Würfel einen solchen zu konstruieren, der das doppelte Volumen hat. Als Konstruktionswerkzeuge waren zunächst nur Zirkel und Lineal zugelassen - das Lineal ohne Markierungen. Die Lösung des Problems setzt, in heutiger Sprechweise, die Konstruktion der dritten Wurzel von 2 voraus. Dies ist, wie wir heute wissen, mit den klassischen Werkzeugen unmöglich.Die Verdopplung des Würfels
ein klassisches Problem
a : x = x : y = y : b
Setzt man b = 1, so ist die mittlere Proportionale
y
gleich der dritten Wurzeln von a und das delische Problem
ist gelöst.
Der von Eratosthenes angegebene
Mechanismus besteht aus einem Paar von parallelen Schienen, auf denen sich
drei kongruente quadratische Plättchen verschieben lassen. Die
Strecke a entspricht dem Abstand der Schienen; die Strecke
b wird auf einem der Quadrate (genauer: auf dem am weitesten
rechts liegenden Quadrat) markiert: a = AA' ;
b =
DD'. Auf den quadratischen Plättchen sind die
Diagonalen eingezeichnet. Eine weitere Schiene ist im Punkt
A' drehbar gelagert, ihre Richtung ist dadurch festgelegt, daß
sie stets durch den Punkt D' läuft. Dabei
schneidet die Schiene die rechten vertikalen Seiten der anderen Quadrate
in den Punkten B' und C'.
Die Aufgabe besteht nun
darin, die Plättchen so zu verschieben, daß die Punkte B' und C' auf den jeweiligen Diagonalen liegen. Ist dies der
Fall, so läßt sich durch wiederholte Anwendung des Strahlensatzes
zeigen, daß die Strecken BB' und CC' die
mittleren Proportionalen der Strecken AA' und DD'
sind.
Die Länge der Strecke
a ist durch den Abstand der Schienen fest vorgegeben.
Für andere Werte von a und b
lassen sich die mittleren Proportionalen dann mit Hilfe des Prinzips der
Ähnlichkeit bestimmen.
Der von Eratosthenes angegebene
Mechanismus wird im folgenden mit Hilfe der Geometrie-Software Cinderella
simuliert. Dabei kann an allen groß gezeichneten Punkten "gezogen"
werden. Die Plättchen lassen sich verschieben, indem man sie
jeweils an der linken unteren Ecke anfaßt.
Beim Experimentieren stellt
man fest, daß man die Plättchen in der Regel mehrfach ausrichten
(nachjustieren) muß, bis sich eine visuell befriedigende Situation
einstellt.
Im Gegensatz zu dem von
Eratosthenes konstruierten Mechanismus kann in dem weiter unten gegebenen
"virtuellen" Mechanismus auch der Abstand der Schienen modifiziert
werden - ein Konstruktionsbaukasten für solche Mechanismen hätte
Eratosthenes vermutlich gut gefallen.
Jochen Ziegenbalg
Created with Cinderella
Prof. Dr. Jochen Ziegenbalg
Institut für Mathematik und Informatik
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Homepage: http://www.ph-karlsruhe.de/wp/ziegenbalg/
Adresse für electronic mail: ziegenbalg@landau.ph-karlsruhe.de